Heute wollten wir einen ruhigen Tag verbringen und gemeinsam einen Gurudwara besuchen.
Schon am Morgen war das Wetter ganz anders als in den letzten Tagen. Es regnete und im Radio wurde sogar vor möglichen Tornados gewarnt. Das war für mich etwas Neues und ungewohnt.
Während meine Schwägerin noch einige Dinge erledigte, gingen Sunny, Didi, die Kinder und ich einkaufen. Danach fuhren wir zurück zur Unterkunft, machten uns fertig und freuten uns auf den Besuch im Gurudwara.
Schon die Fahrt dorthin war wunderschön. Die Straßen, die Umgebung und die Aussicht haben mir sehr gefallen.
Als wir ankamen, war ich beeindruckt.
Am Eingang standen zwei große Statuen. Eine zeigte einen GurSikh auf einem Pferd mit einem Schwert in der Hand. Schon dort spürte man, dass dieser Ort eine besondere Bedeutung hat.
Vor dem Gebäude lag ein riesiger Parkplatz mit kleinen Blumeninseln. Der Gurudwara selbst war beeindruckend groß und strahlte mit seiner weißen Fassade eine besondere Ruhe aus.
Als wir hineingingen, bemerkten wir, dass gerade eine Hochzeit stattgefunden hatte. Die Zeremonie war bereits beendet und die Hochzeitsgesellschaft stand noch zusammen.
Es war schön, diese festliche Stimmung mitzuerleben.
Mir fiel auf, wie erfolgreich viele Inder in Kanada sind. Viele wirkten sehr wohlhabend. Man sah elegante Kleidung, wunderschönen Schmuck und schöne Autos. Es machte mich stolz zu sehen, wie gut sich viele Menschen hier ein Leben aufgebaut haben.
Nach der Begrüßung setzten wir uns eine Weile in den Darbar Sahib und hörten der Kirtan-Musik zu. Anschließend bekamen wir Prasad.
Später gingen wir in den Langar-Saal und aßen gemeinsam. Natürlich durfte auch ein heißer Chai nicht fehlen.
Leider passierte dabei etwas Unglückliches.
Als Sunny sich bückte, um etwas vom Boden aufzuheben, verletzte er sich am Rücken. Von diesem Moment an hatte er starke Schmerzen.
Trotzdem setzte er sich noch zu uns und aß ein wenig mit.
Anschließend fuhren wir nach Hause.
Den Abend verbrachten wir gemeinsam im Wohnzimmer.
Sunny hatte inzwischen große Schmerzen und ruhte sich aus. Olga brachte die kleinen Kinder ins Bett, während wir noch mit ihnen spielten, bis auch sie müde wurden.
Später saßen Sunny, Ginny und ich noch lange zusammen.
Bis etwa zwei Uhr nachts unterhielten wir uns über unser Leben.
Sunny erzählte offen von seinen Sorgen und Problemen. Es tat gut, einfach zuzuhören und miteinander zu sprechen.
Manchmal braucht man keinen besonderen Ausflug.
Manchmal reicht ein ruhiger Abend, an dem Menschen ehrlich miteinander reden und sich gegenseitig verstehen.
Erst sehr spät gingen wir schlafen.
Ich dachte noch einmal an diesen Tag zurück.
An den wunderschönen Gurudwara.
An die Hochzeit.
An das gemeinsame Essen.
Und daran, wie wichtig Familie, Zusammenhalt und offene Gespräche sind.
Das sind oft die wertvollsten Momente einer Reise.
