Wie Kali zu uns kam
Mein zweiter Sohn wollte schon immer einen Hund haben.
Damals lebte er in Köln. Eines Tages rief er mich an, während ich bei der Arbeit am Flughafen war. Er sagte:
„Mama, schick mir bitte das Geld. Ich habe einen Hund gesehen. Er passt perfekt zu mir. Ich will ihn haben.“
Ich habe nicht lange überlegt.
Ich habe ihm sofort das Geld geschickt.
Noch am selben Tag holte er den kleinen Hund zusammen mit einer Freundin ab. Später erzählte er uns, dass dort mehrere Welpen waren. Aber Kali war der eine, der ihm sofort auffiel.
Ich glaube, es war Liebe auf den ersten Blick.
Kali war damals ungefähr acht oder neun Wochen alt. Ein kleiner, schwarz-brauner Shiba-Inu-Rüde. Süß, schön und irgendwie schon damals mit seinem ganz eigenen Kopf.
Er wurde 2019 geboren.
Eigentlich sollte Kali nicht bei uns bleiben
Eigentlich sollte Kali bei meinem Sohn bleiben. Aber wegen seines Vermieters konnte er ihn nicht behalten. Zurückgeben konnte und wollte er ihn auch nicht.
Also brachte er Kali zu uns.
Er sagte, wir sollten erst einmal auf ihn aufpassen.
Meine Tochter war davon am Anfang gar nicht begeistert. Sie wollte keinen Hund zu Hause haben. Sie bestand darauf, dass mein Sohn Kali wieder abholen sollte.
Aber manchmal kommt es im Leben anders, als man denkt.
Mit der Zeit veränderte sich alles.
Meine Tochter und Kali wurden unzertrennlich. Aus Ablehnung wurde Nähe. Aus „Ich will keinen Hund“ wurde eine tiefe Verbindung.
Die beiden wurden beste Freunde.
Kali hat seinen eigenen Kopf
Heute ist Kali nicht mehr der kleine Welpe von damals. Er ist ein wunderschöner Hund geworden. Manchmal wirkt er fast ein bisschen arrogant, als wüsste er genau, wie besonders er aussieht.
Und ehrlich gesagt: Er weiß es wahrscheinlich wirklich.
Kali ist nicht immer einfach.
Er ist stur. Er macht nicht einfach etwas, nur weil man es ihm sagt. Er überlegt erst, ob es für ihn Sinn macht. Oder ob es vielleicht etwas Leckeres dafür gibt.
Mit Rüden kommt er nicht so gut klar. Hündinnen mag er lieber. Er entscheidet gern selbst, wem er vertraut und wem nicht.
Auch beim Spazierengehen hat Kali seine eigenen Vorstellungen.
Manchmal will er bestimmen, welchen Weg wir gehen. Er bleibt stehen, schnuppert lange oder setzt sich einfach hin, als hätte er beschlossen, dass genau dort jetzt Pause ist.
Das kann mich manchmal nerven.
Es gibt Momente, in denen ich denke: Kali, bitte, geh einfach weiter.
Manchmal fühle ich mich durch ihn auch eingeschränkt. Ich kann nicht immer spontan machen, worauf ich Lust habe. Ich muss überlegen, wer auf ihn aufpassen kann. Oft muss ich mit meiner Tochter klären, ob sie Zeit hat, wenn ich etwas vorhabe.
Ein Hund bedeutet Liebe, aber auch Verantwortung.
Und manchmal ist diese Verantwortung anstrengend.
Was Kali mir gibt
Trotzdem ist Kali ein wichtiger Teil meines Lebens.
Gerade jetzt, wo mein Leben ruhiger geworden ist und ich zum ersten Mal wirklich allein wohne, spüre ich das besonders.
Wenn ich traurig bin, kommt Kali oft in meine Nähe. Er schaut mich mit seinen dunklen Augen an, ganz tief und liebevoll. Manchmal fühlt es sich so an, als wollte er sagen:
„Ich bin da. Du bist nicht allein.“
Dann legt er sich neben mich oder an meine Füße.
Er sagt kein Wort.
Aber manchmal braucht Trost keine Worte.
Durch Kali muss ich morgens aufstehen. Auch wenn ich müde bin. Auch wenn ich keine Lust habe. Auch wenn ich am liebsten im Bett bleiben würde.
Er muss raus.
Er braucht seinen Spaziergang.
Wenn ich nicht aufstehe, wird er unruhig oder fängt an zu weinen. Sein Wohlbefinden ist für uns wichtig. Also stehe ich auf, ziehe mich an und gehe mit ihm nach draußen.
Vielleicht merkt er gar nicht, wie sehr er mir damit hilft.
Er bringt Struktur in meinen Tag.
Er bringt mich an die frische Luft.
Er sorgt dafür, dass ich nicht nur in meinen Gedanken bleibe.
Kali erinnert mich daran, dass Leben auch in kleinen Dingen stattfindet: in einem Spaziergang, in einem Blick, in einem stillen Moment auf dem Sofa.
Lucy, Moly und schwere Entscheidungen
In meinem Leben gab es auch eine Zeit mit mehreren Hunden.
Als ich in Bonn lebte, kam Lucy zu uns. Sie war eine helle Shiba-Inu-Hündin. Am Anfang wollte Kali nichts mit ihr teilen. Er war eifersüchtig und wollte seinen Platz nicht verlieren.
Aber nach ein paar Tagen wurden sie freundlicher zueinander.
Später, in Stade, bekamen die beiden ein Baby.
Unsere kleine Moly.
Sie war wunderschön.
Eine Zeit lang hatten wir drei Hunde: Kali, Lucy und Moly.
Aber das Leben war nicht einfach. Wegen der Hunde gab es oft Streit. Es wurde zu viel. Irgendwann mussten wir Lucy und Moly abgeben.
Das war nicht leicht.
Aber ich bin froh, dass beide in gute Familien gekommen sind und heute glücklich sind.
Warum Kali bleibt
Kali blieb.
Auch als ich erschöpft war. Auch während des Umzugs. Auch in Zeiten, in denen mir alles zu viel wurde.
Es gab Momente, in denen ich dachte, ich müsste vielleicht auch Kali abgeben. Ich war müde, überfordert und genervt. Ich hatte das Gefühl, ich schaffe das alles nicht mehr.
Aber innerlich wollte ich ihn nicht weggeben.
Ich konnte es nicht.
Kali ist nicht einfach nur ein Hund.
Er ist Familie.
Er gehört zu uns. Zu meinem Sohn, zu meiner Tochter und zu mir. Er ist ein Teil unseres Lebens geworden.
Auch wenn er nicht sprechen kann, habe ich das Gefühl, dass er mich liebt.
Er kuschelt gern. Er sucht meine Nähe. Er spürt meine Stimmung. Und auf seine eigene stille Art zeigt er mir, dass ich nicht ganz allein bin.
Was ich durch Kali lerne
Vielleicht ist Kali manchmal stur.
Vielleicht macht er manchmal, was er will.
Vielleicht entscheidet er lieber selbst, welchen Weg wir gehen.
Aber vielleicht ist genau das auch ein Teil seiner Botschaft an mich:
Nicht jeder Weg muss gerade sein.
Manchmal bleibt man stehen.
Manchmal setzt man sich hin.
Manchmal braucht man Zeit.
Und irgendwann geht man weiter.
Kali ist für mich ein untrennbarer Teil meines Lebens geworden.
Ein stiller Begleiter.
Ein kleiner Sturkopf.
Ein Familienmitglied.
Und vielleicht auch ein Geschenk, das ich damals gar nicht bewusst für mich ausgesucht habe.
Mein Sohn wollte einen Hund.
Meine Tochter wollte am Anfang keinen Hund.
Und ich dachte, wir passen nur vorübergehend auf ihn auf.
Aber am Ende blieb Kali.
Und heute kann ich sagen:
Manche Seelen kommen nicht zufällig in unser Leben.
Kali kam als kleiner Welpe zu uns.
Und irgendwie hat er seinen Platz gefunden.
In unserer Familie.
In meinem Alltag.
Und jetzt auch in Rinas Welt.
