Depression sieht man einem Menschen nicht immer an

Manchmal steht ein Mensch morgens auf, macht weiter, kümmert sich um Kinder, Haushalt, Arbeit und Familie – und innerlich ist er trotzdem kaum noch da.

Bei mir hat diese schwere Zeit nicht an einem einzigen Tag begonnen.

Meine Ehe war nicht einfach. Aber damals hatte ich noch Kraft. Ich habe vieles ausgehalten, vieles getragen und versucht, weiterzumachen. Ich dachte wahrscheinlich, dass ich das alles irgendwie schaffen muss.

Doch nach der Geburt meiner Tochter wurde etwas in mir anders.

Sie war ein Frühchen und sehr krank. Diese Zeit hat mich innerlich zerstört. Ich war bodenlos traurig. Ich hatte Angst, Sorgen und das Gefühl, mein ganzes Leben sei zusammengebrochen.

Ich war hoffnungslos.

Unglücklich.

Erschöpft.

Kraftlos.

Müde bis in die Seele.

Es fühlte sich an, als wäre mein Leben zu Ende, obwohl ich noch weiterleben musste.

Ich hatte viele Symptome, die zu einer Depression gehören können. Ich war ständig müde, innerlich leer, erschöpft und ohne Kraft. Ich konnte einfach nicht mehr. Mehrmals habe ich mich gefragt, warum ich überhaupt noch lebe.

Und dann habe ich an meine Kinder gedacht.

Ich liebe meine Kinder über alles.

Sie waren der Grund, warum ich weitergemacht habe. Auch wenn ich innerlich fast nicht mehr konnte, habe ich funktioniert. Für sie. Für den Alltag. Für das Überleben.

Ich war wie eine Maschine.

Ich habe gemacht, was gemacht werden musste.

Aber innerlich war ich fast leblos.

Besonders schwer war, dass ich damals in meiner Ehe nicht die Unterstützung bekam, die ich gebraucht hätte. Ich lebte mit einem Mann, der mich nicht wirklich unterstützt hat. Nicht körperlich. Nicht seelisch. Nicht in dieser tiefen Not, in der ich mich befand.

Auch seine Familie hat mein Leben zusätzlich belastet.

Ich hatte kaum noch Kontakt zur Außenwelt. Mein Alltag bestand aus Ärzten, Krankenhauspersonal, meinem damaligen Mann und seiner Familie. Ich war in einer Welt aus Sorgen, Pflichten, Angst und Erschöpfung gefangen.

Viele haben nicht gemerkt, wie schlecht es mir wirklich ging.

Vielleicht, weil ich weiter funktioniert habe.

Vielleicht, weil ich selbst keine Worte dafür hatte.

Vielleicht, weil man Depressionen nicht immer im Gesicht sieht.

Das war für mich der Anfang meiner depressiven Zeit.

Und danach war die Depression immer irgendwie da. Wie ein stiller Begleiter, den man nicht eingeladen hat, der aber trotzdem bleibt.

Als meine Tochter drei Jahre alt war, habe ich entschieden, meinen damaligen Mann zu verlassen.

Danach kamen Trennung, Scheidung, Kindererziehung, drei Kinder, Vollzeitarbeit, Haushalt und sehr viel Verantwortung. Es war nicht leicht. Es war sogar unglaublich schwer.

Aber meine Kinder haben mir Kraft gegeben.

Ich wollte ihnen alles ermöglichen. Ich wollte, dass sie eine Zukunft haben. Ich wollte, dass sie trotz allem ihren Weg gehen können.

Deshalb habe ich mich immer sehr bemüht.

Manchmal trage ich bis heute Schuldgefühle in mir. Ich frage mich, ob ich meinen Kindern ein schweres Leben gegeben habe. Ob ich genug für sie getan habe. Ob ich manches hätte anders machen können.

Aber heute versuche ich auch zu sehen:

Ich habe mein Bestes gegeben.

Mit der Kraft, die ich hatte.

Mit den Möglichkeiten, die mir damals blieben.

Mit einem Herzen, das oft müde war, aber trotzdem weitergeliebt hat.

Depression ist nicht Schwäche.

Depression ist nicht Faulheit.

Depression ist nicht einfach schlechte Laune.

Depression kann sich anfühlen wie ein schwarzes Loch. Als würde man fallen und nicht wissen, wann man wieder Boden unter den Füßen spürt.

Ich kenne dieses Gefühl.

Und ich kämpfe immer noch damit.

Aber ich gebe mir Mühe, nicht aufzugeben.

Ich glaube, wir Menschen haben manchmal viel mehr Kraft, als wir selbst glauben. Unser Körper und unsere Seele können unglaublich viel tragen. Manchmal merkt man erst später, wie viel man eigentlich überlebt hat.

Ich weiß, es ist leicht gesagt:

„Mach weiter.“

Wenn man mitten in dieser Dunkelheit ist, klingt das manchmal unmöglich.

Aber ich möchte trotzdem sagen:

Gib nicht auf.

Folge einem kleinen Licht.

Auch wenn es weit weg ist.

Auch wenn du es kaum sehen kannst.

Auch wenn du nur einen ganz kleinen Schritt schaffst.

Manchmal reicht ein kleiner Schritt.

Ein Atemzug.

Ein Morgen.

Ein Mensch.

Ein Gedanke an jemanden, den man liebt.

Für mich waren meine Kinder dieses Licht.

Heute wünsche ich mir ein Leben, in dem meine Seele endlich ruhiger werden darf.

Ich wünsche mir ein Zuhause, in dem ich mich wohlfühle.

Ein Haus, in dem ich Frieden finde.

Ruhe.

Harmonie.

Sinn.

Ich wünsche mir einen Ort, an dem ich nicht nur überlebe, sondern wirklich leben kann.

Vielleicht wird Depression nicht einfach verschwinden, nur weil man sich ein schönes Leben wünscht.

Aber ich glaube, dass Frieden, Liebe, Sicherheit, Natur, ein Zuhause und gute Menschen helfen können, dass die Seele langsam wieder atmen darf.

Ich schreibe diesen Text nicht, weil ich alle Antworten habe.

Ich schreibe ihn, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, innerlich müde zu sein und trotzdem weiterzumachen.

Und vielleicht liest das eines Tages ein Mensch, der gerade selbst in diesem schwarzen Loch sitzt.

Vielleicht fühlt er sich dann ein bisschen weniger allein.

Vielleicht denkt er:

Wenn sie weitergegangen ist, dann kann ich vielleicht auch noch einen Schritt gehen.

Nicht alles heilt sofort.

Nicht jeder Schmerz verschwindet schnell.

Aber ein kleines Licht kann trotzdem da sein.

Und manchmal beginnt Hoffnung genau dort:

bei einem einzigen kleinen Schritt.

Hinweis:
Wenn du selbst gerade in einer sehr schweren seelischen Krise bist, bleib bitte nicht allein damit. Sprich mit einem vertrauten Menschen oder hol dir sofort Hilfe. In akuter Gefahr wähle den Notruf 112 oder kontaktiere die TelefonSeelsorge.

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